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28. Mai 2023

 

 

29. Töpfermarkt

 

Ein Paradies für Herz und Seele breitete sich an den Toren zur Rennbahn vor den Besuchern aus: Jürgen Blank hatte zum 29. Töpfermarkt geladen. 

Die allenthalben allüberall festgestellte Kaufzurückhaltung scheint bei den Dingen, die Herz und Seele erwärmen, ihre Grenzen zu finden. Vier Aussteller hätten absagen müssen, da sie bereits ausverkauft sind, berichtete Jürgen Blank. Weitere Lücken habe er schließen müssen, da einige alte Weggefährten der Pandemie Tribut zollen mußten oder in den Ruhestand gegangen waren. So ergab sich die Chance für Erstlinge und Künstler anderer Gattungen ihre Werke dem Publikum zu präsentieren.

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Aus dem Gastland Frankreich lugte die Elsässerin Kiki Strielin über den Rhein und bot zarte Tischkeramik feil. Direkt daneben zeigte Marianne Succord ihre durch die Höhlenzeichnungen unserer steinzeitlichen Vorfahren inspirierten Mammuts an. Beide kamen erst in der Mitte ihres Lebens zur Töpferkunst. „Man ist nie zu alt, um seinen Beruf zu wechseln“, so Mme Succord.

„Fer & Ceramic“ (Eisen und Keramik) unter dieses Motto stellt Patrick Domenicone, der dritte Franzose im Bunde,  sein Schaffen. Als großer Freund des Arbeitens mit dem Feuer begann der gelernte Schmied vor zwei Jahren die beiden Feuerwerke, Schmieden und Töpfern, miteinander zu verbinden. Heraus kam Einzigartiges. Aus einem alten, eisernen Weidepfahl schmiedete er ein schlankes Bäumchen, das fest auf filigranen Wurzeln ruht. Seine Krone bietet einem Futterhäuschen aus gebrannten Ton Platz, bei dem verspielte Treppen sich um steile Berghänge winden und Einzelgehöfte miteinander verbinden. Granatsplitter aus Verdun verbindet der Lothringer mit Keramik zu friedlichen Hinguckern.

Ihre Lust auf Abenteuer, das Lampenfieber auf neuen Märkten, führten Sandra Gasque i Andrés  auf der Suche nach Inspirationen erstmalig nach Iffezheim. In Katalonien habe sie Lampen mit Motiven des allumspannenden Sternenzeltes gefertigt, die ganzjährig Abnehmer gefunden hätten. Als sie sich der Liebe wegen in Österreich niederließ, sei deren Absatz eingebrochen. Über Umwege hatte die damals des Deutschen noch nicht Mächtigen erfahren, daß ihre Sternenmotive in der Alpenrepublik mit Weihnachten in Verbindung gebracht wurden und deswegen übers restliche Jahr zu Ladenhüter wurden.

Eine neue Idee mußte her. Diese stellte sich im Handumdrehen ein und wurde in der heimischen Werkstatt auch gleich umgesetzt. Zu bewundern ist das Ergebnis dieses Schffensprozesses an ihrem Stand. Hoch aufgerichtete Frauen, in bunte Gewänder gehüllt, die stolz ihr Haupt gen Firmament recken.

Aktuell gibt es in ganz Baden-Württemberg lediglich zwei Auszubildende im Keramikerhandwerk. Beide werden im Betrieb von Gert Michael Gießmann ausgebildet. Helena Riem vertrat gekonnt ihren Ausbildungsbetrieb an der Rennbahn. Die Ausbildung im Betrieb wechsle sich mit zwei bis drei Wochen Blockunterricht an der Keramikschule Landshut ab, berichtete sie aus ihrem Lehrlingsalltag. Sie wohne dann im dortigen Internat. Ein bisschen aus dem Nähkästchen, respektive Tontöpfchen, plauderte Frau Riem, als sie erläuterte, wie das Gold auf den Rand der Schüsseln und Teller käme: Goldstaub sei in einer Lösung gebunden und die werde mit dem Pinsel auf das Objekt aufgetragen. Während des Brennens verflüchtige sich die Lösung und das Gold brenne sich in die Glasur.

Passend zur Jahreszeit hatte Birgit „Dotty“ Palt ihr Sortiment um Dessertschüsseln mit Erdbeermotiven ergänzt, deren Kernchen sich gekonnt von der Beere abhoben.

„Echt Klasse!“ kommentierten Besucher das Œuvre von Gerda Partlisch deren vielfältiges Meeresgetier den Besucher begrüßte. Auf die Frage, ob die zahlreichen Porträtköpfe durch ihr Umfeld inspiriert seien, meinte die Künstlerin: „die werden, wie sie werden!“

Ihre großformatigen Werke seien alle bereits verkauft, berichtete Rosemarie Bee. Kein Wunder steht der Zauber ihre Figuren der Poesie ihrer Namen, wie „Die Blumen des Frühlings, sind die Träume des Winters“, in nichts nach.

Seit 2015 komponiert die Familie Timrott im pfälzischen Herxheim beste natürliche Zutaten zu veganen Pestos, Chutneys oder Essigen, deren Düfte die Besucher betörte und innehalten ließ. Konstantin Timrott kam kaum hinterher, die „Versucherle“ zu richten.

Korbmacher, Hutmacher, Gold- und Silberschmiede erweiterten den Kreis der Hoffnungsträger der Träumerei.

 

 
Euer Kommentar an Matthias

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