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05. Juni 2022

 

 

Töpfermarkt

 

Nach drei Jahren öffnete übers Pfingtswochenende endlich, endlich wieder der Töpfermarkt an der Iffezheimer Rennbahn. Die Sehnsucht nach den schönen Dingen ließ Tausende zur Rennbahn pilgern. Die Händler zeigten sich zufrieden.

Nach drei Jahren endlich wieder ein Töpfermarkt in Iffezheim zu eröffnen: Jürgen Blank war die Freude ins Gesicht geschrieben. Den einzigen Wermuthstropfen vergoß die Gemeinde Iffezheim, welche in Teile des Geländes als Bauhof für die Glasfaserverkabelung vergeben hatte. Ihm wären dadurch 10 – 15 Stellplötze verloren gegangen. Die diesjährige Ausstellung sei auch deshalb kleiner, da einige Künstler abgesagt hätten, da sie nach den ersten zwei, drei Märkten bereits ausverkauft seien.

Den Hunger der Besucher nach den schönen Dingen bestätigte Ute Sybille Mälzer, deren große abstrakten Köpfe seit Jahren die Besucher in der Nähe des Eingangs begrüßen. Am Stand selbst findet der Bummler im Vergleich filigrane Figurengruppen, die allzu menschliche Gefühle ausdrücken. Was eben so herauskommt, wenn die Künstlerin vom Leben abschaut und nach biblischen Vorbild aus einer Handvoll Erde Menschen formt.

Eine fröhliche Botschaft geht seit jeher von German de Juanas rundlichen Figuren aus. In allen Lebenslagen und Größen verströmen diese Optimismus und Lebensfreude.

 

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Ebenfalls bereits zum Inventar gehört Birgit Polt mit ihrer Alltagskeramik in fröhlichen Farben mit den weißen Tröpfchen. Während der Pandemie habe sich in ihrem Kopf viel „Schriftliches“ ergeben, so Polt, die ihr Sortiment um Becher mit „Guten Botschaften“ erweiterte. „Liebe“, „Nähe“, „Menschlichkeit“  wurden darauf als „systemrelevant“ und „Superheldinnen“ und „Alleskönner“ gepriesen. Während der Pandemie hatte sie ein Ladengeschäft in Frankfurt eröffnet um neben dem Online-Vertrieb ein weiteres Standbein zu haben- Der Einzelhandel sei zwar schwieriger, aber derzeit zuverlässiger als die Märkte.

Vom Kachelofenbau zur Töpferkunst kam Horst Schmid – Köhler durch seine Frau, welche Kunst studiert hatte und für die Skulpturen am gemeinsamen Stand verantwortlich zeichnet. Der Clou an der Farbgebung ihrer Schalen ist Holzasche. Einen Löffel voll vor dem Brennen auf die farblose Glasur läßt diese nach dem Brennen in den schönsten Farben strahlen. Die Farbe hänge von den Baum aufgenommenen Mineralien ab und sei eine typische Eigenschaft jeder Baumart. Sie hänge nicht vom Boden, auf dem der Baum wuchs, ab, sondern allein von der Baumsorte. Ebenholz zum Beispiel ergibt ein wunderschönes Blau zwischen Türkis und Ultramarin

Ebenfalls zu den alten Hasen gehört Andrea Peckedraht, die nach einer Pause ihre Miniaturhäuser und -siedlungen wieder in Iffezheim zeigte. Daneben hat sie sich mit Amonit-Mustern ihr Spektrum erweitert, da die Schnecken ihr einen größeren Gestaltungsspielraum bei der Herstellung von Gebrauchskeramik böten.

Roland Wursts bestes Pferd im Stall ist die Fruchtfliegenfalle aus Keramik. Das Prinzip ist einfach. Mit einem Lockstoff, sei es Essig oder Wein oder Saft oder eine Mischung der selben, wird die Fliege angelockt. Ihr Versuch, auf dem köstlichen Naß zu landen und sich davon zu laben, wird scheitern, wenn dem Lockstoff Geschirrspülmittel beigegeben wird. Die damit reduzierte Oberflächenspannung läßt die Flieg ertrinken.

Neu auf dem Iffezheimer Markt waren die beiden Künstlerinnen Marianne Succord und Kiki Stierlin aus dem diesjährigen Gastland Frankreich. Die Lothringerin Succord läßt sich bei ihrer Arbeit von den steinzeitlichen Höhlenmalereien  inspirieren und so harren Mammuts, Springböcke und urzeitliche Venus-Darstellungen an ihrem Stand auf Käufer.

Moderner und geradliniger zeigt sich die Alltagskeramik der Elsässerin Stierlin am benachbarten Stand. Stierlin war erst in der Mitte ihres Lebens zur Keramik gekommen. Sie lobte das Interesse und die Connaisance des deutschen Publikums, die weit ausgeprägter seien als in Frankreich.

„Jochen sitzt im Keller und sägt und schneidet, und die ganze Familie muß schmiergeln“, umriß Irene Pfeifer schmunzelnd die Herstellungskette von Jochen Welsches Holzschmuck. „Upcycling“ heißt das Modewort für den Herstellungsprozess, denn Welsche kauft Holzreste auf und formt aus den interessantesten Maserungen Ohrringe, Haarspangen oder Broschen. Wahrste Sisyphosarbeit bedeutet die Herstellung der Intarsien für die nicht mal briefmarkengroßen Lesezeichen. „Jeder solle sich den Schmuck leisten können“ , begründete die Schwarzwälderin den trotz des Aufwandes geringen Preis für den Schmuck.

Ebenfalls neu auf dem Markt und mit besonderem Schmuck in der Auslage war Serap Balikan. Vom Ohrring bis zum Fußschmuck sei alles dabei, so Frau Balikan, und alles aus Seidenfaden oder Zwirn fein gehäkelt. Sie häkle seit ihrer Kindheit und habe es von ihrer Mutter erlernt, die auch weiterhin mit häkle. Die ausgestellten Schmuckstücken zeigten traditionelle türkische Muster und Ornamente.

Ungewöhnliche Schmuckstücke bot auch  Neuling Zippora Zibold, so ihr Taufname, an. Die gelernte Modedesignerin und Maßschneidermeisterin war eines Tages zu dem Schluß gekommen „Mode kann jeder“, handgenähter Schmuck sei etwas anderes. Vor drei Jahren habe sie sich selbstständig gemacht und lebe seit einem halben Jahr davon. Handgemachter Schmuck im Gegensatz zu Goldschmuck in der Größe nicht beschränkt, denn er wiege praktisch nichts, so Zibold über ihre Werke. Ihr künstlerisches Werk gefällt auch der Fachwelt. In Berlin erhielt sie den „Wedding Award“ in Bronze für ihrem Brautschmuck.

Ein weiterer Neuzugang waren die Iran stämmige Mariam Phiale und ihr Mann. Sie boten Töpferwaren ihrer Großfamilie aus dem Iran an, die einerseits klassische orientalisches Muster aufwiesen, als auch moderne Motive, die dem Kunde augenzwinkernd zum Kauf aufforderten. Er hoffe, auf den Märkten genug Stammkapital zu erwirtschaften um eine eigene Werkstatt in Deutschland eröffnen zu können, so Herr Phiale.

Mit Monika Nickel-Stein zeigte ein weiteres neues Gesicht auf dem Iffezheimer Markt. Die gelernte Korb- und Flechtwarengestalterin zeigte neben traditionellen Korbwaren auch Eigenkreationen. Während ihrer Ausbildung sei sie auf das „Spiralgeflecht“ gestoßen. Draus flechtet sie nun unendlich erweiterbare Raumteiler, Lampen oder die Körper ihrer Libellen. Wie die anderen Neuzugänge war sie vom Markt in Iffezheim begeistert:Die Stimmung sei gut und es laufe gut.

 

 
Euer Kommentar an Matthias

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