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13. Februar 2019

 

 

Tonie,

der Spion, der ins Kinderzimmer kam

 

Tonie, ein Würfel mit Ohren, spielt kinderleicht für teures Geld erkaufte Hörspiele ab. Das von einem jubelnd gefeierten deutschen Startup auf die Zielgruppe der Klein- und Kindergartenkinder losgelassene Gerät, kommt mit eingebautem Spiogenten ins Kinderzimmer gerauscht.

Nein, nicht daß ich behaupte oder andeuten will, daß der Würfel das Geplapper im Kinderzimmer aufnähme und nach draußen senden würde, wie es andere interaktive Spielzeuge tun. Auf äußerst perfide Weise werden die Hörgewohnheiten der kleinen Kinder ausspioniert. Was hört der Nachwuchs? Überspringt der Sprößling Stellen der Geschichte? Hört er sich manches ein weiteres Mal an? Gefallen ihm manche Szenen, sodaß er das Gerät lauter dreht? All das zeichnet die mit dem Gerät verbundene Cloud auf und wertet es aus. Über die Dauer der Datenspeicherung schweigt sich die Datenschutzerklärung des Unternehmens aus. Daß die Daten für bedarfsgerechte Werbung genutzt wird, verwundert nicht.

Ein Anhören der Hörspiele ohne Datensammlung ist NICHT möglich. Der Elter des künftigen Nutzers muß zunächst ein Konto in der Cloud eröffnen, bevor er das Gerät in Gang bringen kann und den Würfel ins heimische WLAN aufnehmen könnte. Ich habe vor der Integration ins Heimnetz den mehr als dilletantischen Installationsvorgang abgebrochen. Wer will schon seinen Netzwerkschlüssel unverschlüsselt an den Würfel übertragen? Da könnte man diesen ja gleich auf die Hauswand pinseln. Ein Konzeptionsfehler, der einem Fachinformatiker nach dem ersten Lehrjahr nicht mehr passiert.

Die Erfinder preisen sich, mit dem Würfel das Kinderzimmer aus der Welt der 80er, mit ihren CDs und Kassetten, in das Digitalzeitalter geschossen zu haben. Mir persönlich sind CDs, Kassetten und mp3s wesentlich lieber. Niemand weiß, was ich wann höre. Gibt es Verwerflicheres in der Informationstechnologie, als Kleinkinder auszuspionieren?

Darüber sollte man sich in der Gemeindebibliothek mal Gedanken machen und das Thema Datenschutz – auch bei den E-Books – sensibler angehen, eigentlich überhaupt mal angehen.

 

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Euer Kommentar an Matthias

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