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30, November 2019

 

 

Diesmal was mit Niveau

 

Die phänomenal gut aufgelegte Schauspieltruppe der Kolpíngfamilie Iffezheim gönnte mit ihren neuen, vor Situationskomik strotzendem Stück dem Zwerchfell des Zuschauers keine Verschnaufpause und machte dem Namen des Stückes alle Ehre. 

Immer wieder nur Bauer, Pfarrer und Knecht zu spielen war die Vorsitzende der Schauspieltruppe, Beate Speicher / Pfarrhaushälterin (wie immer sehr professionell von Manuala Schwab gespielt) überdrüssig geworden.  Etwas Neues mußte her, etwas mit Niveau! Damit das auch klappt, hatte die Vorsitzende auf ihre übliche Regiearbeit verzichtet und über www.Profi-Regisseur-billiger.com den ihr unbekannten französischen Regisseur Francois Trichine angeheuert. Daß nun mit „Pater Brown und das Geheimnis der alten Gräfin“ ein „very british“ gehaltenes Stück auf die Bühne kommen sollte, war den beiden männlichen Kollegen und Brutlern Heinz Helfrich / Pater Brown (grandios Giuliano Tedesco) und Gerhard Schreiner / Butler James (Michael Bosler wie er leibt und lebt) überhaupt nicht recht. Die Stücke um Bauer und Knecht seien beim Publikum bisher immer gut angekommen, so ihr Tenor. Ein englisches Stück mit einem französischen Regisseur sei zu hoch gestochen für die deutsche Provinz, zumal die Zuschauer aus den Nachbardörfern damit überfordert wären.

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Zur gleichen Zeit als die Truppe um das künftige Stück stritt, überfiel der homophile Klunker Kurt (Tim Obrist in seinem überwältigenden Bühnendebüt) die örtliche Bank und geriet auf seiner Flucht während einer Probepause in die leere Festhalle. Nach dem er seine Beute in der unauffälligeren Werkzeugkiste versteckt hatte, wurde er von der zurückkehrenden Schauspieltruppe für den französischen Starregisseur gehalten, der sofort in die Probenarbeit eingebunden wurde.

Daß der Namen des Mordopfers (Kassenwartin Trudel Trugschluss gespielt von Bianca Schramm) „Baroness of Eastern Chesterfield by Middlewick Yorkshiretire at Sussington Elstershire Growingten Sheldonbutton“ wesentlich schwerer über die Lippen kommt als die „'d Huberbäuerin“ mussten „Gérard“ und „Eins“ sich bald eingestehen. Der vermeintliche Profiregisseur („Axion bitt'“) war bei der Umschiffung dieser und weiterer Klippen wahrlich keine große Hilfe. Schließlich hatte er nur seine Flucht im Sinn und Augen für die als Requisite mißbrauchte Werkzeugkiste mit seiner Beute. Einzig die stockblinde, sich ständig auf der Suche nach DER Textstelle befindliche Souffleuse Lisa Leise (köstlich von Julia Sauter in Szene gesetzt) vermochte sich für den „Franzosen“ begeistern: „Was für ein Regisseur!“

Daß dann auch noch die bestellten Kostüme für das britische Stück in keiner Weise den Darstellern passen wollten, ließ die Schauspieler mit ihrer Kleidung hadern und das Publikum in Lachsalven ausbrechen.

Natürlich galt auch in diesem Boulevardstück von Andres Heck: „Ende gut. Alles gut!“ Die zweite Vorsitzende Rosa Reinlich (Sina Hüttlin) verhinderte die Geiselnahme und Polizistin Karina Knolle (Elke Path) konnte den Bankräuber festsetzen.

Der zahlreiche Szenenapplaus gipfelte im tosenden Schlußapplaus, dem Lohn für die Truppe, die sich tapfer durch die Namensvielfalt des britischen Königreiches, textile Mißgunst und „very british“ Türgeklingel gekämpft hatte. Trotz des großen Erfolges des Stückes mit Niveau, versprachen die Schauspieler augenzwinkernd, im kommenden Jahr die Zuschauer nicht zu überfordern und wieder etwas ohne Niveau zu spielen.

 

 

 
Euer Kommentar an Matthias

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