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03. Juni 2017

 

 

25. Töpfermarkt

 

Mit  verdient Stolz geschwellter Brust präsentierte Jürgen Blank zum 25ten Mal Keramikkünstler und Kunsthandwerker rund um die Freilufthalle Iffezheim. Im Zentrum standen heuer Künstler aus Katalonien.

Den langen Weg von der iberischen Halbinsel ins Renndorf haben Núria Albá und Luís Soler nicht gescheut, die einen gemeinsamen Stand unterhielten. Frau Alba dreht Vasen und Schalen auf der traditionellen Töpferscheibe, arbeitet aber auch mit der Plattentechnik. Viele Ideen für die in die Glasur gemalten Motive findet sie auf ihren ausgedehnten Fahrradtouren oder in ihren Kindheitserinnerungen an Urlaube am Meer. Das Meer hat es auch Luís Soler angetan, vielmehr das Blau des Meeres, das seine Werke prägt. Für diese ließ er eine alte Technik der arabischen Töpferei wieder auferstehen, um einen Metalleffekt in seine Glasuren zu zaubern. Basis des Blaus sei das Kobaltoxid, erläuterte er. Das Besondere an der Brenntechnik sei, den gebrannten Ton auf 800 Grad abzukühlen und dann erneut Sauerstoff zuzuführen, der das reduzierte Metalloxid erneut oxidiere. Die Zugabe von Wismuth ergebe einen dunkleren Blauton, wodurch seine Vasen vom leuchtendem Hellblau bis ins Dunkel changieren. Kupfer sorge für die rot-orangenen Farbtupfer. Aber nicht allein wegen des Renndorfs hatten sich die beiden auf den langen Weg gemacht. Am kommenden Wochenende sind sie in Höhr – Grenzhausen auf dem Markt.

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An der dortigen Fachhochschule studierte die Keramikgestalterin mit Diplom Birgit Palt. Das getupfte Einwickelpapier, die getupfte Einkaufstüte, selbst ihr Kleid hatte die „Konzepttöpferin“ ihrer neuen Geschirrserie „Dotty“ angepaßt, auf deren, an die Fünziger erinnernden, Farben, erhaben weiße Tupfen prangen. Die Noppen würden zur „senso-motorischen Stimulation“ beitragen, meinte sie herzhaft lachend, zu ihrem „Vorstoß in die dritte Dimension“. Ein ähnlich haptisches Erlebnis boten die Stücke Lena Andres, die sich an der anderen Keramikfachschule des Kannenbäckerlandes ausbilden ließ. Die studierte Bildhauerin war des Materialmix ihrer Skulpturen überdrüssig geworden und wollte sich auf ein Material konzentrieren und dieses beherrschen. Dieses Material wurde das Porzellan, das sie in von Fadenspindeln und Kürbissen gewonnenen Negativformen füllt und so Werke mit außergewöhnlicher Oberflächenstruktur und Form schafft.

Ebenfalls mit Formen arbeitet der mit einer Kinzigtälerin  verheiratete „Schwarzwaldbub aus Katalonien“  German de Juana. Er liebe die Brägele, er liebe die Menschen im Kinzigtal, mit denen er sich wegen ihrer Handwerkstradition seelenverwandt fühle, schwärmte er. Kreativ wird Juana allerdings in seinem Atelier in Figueres, wo er jährlich 15 – 20 neue Formen für seine fröhlich optimistisch in die Welt schauenden Figuren erschafft. Diese bemale er mit Engobe, einer dünnflüssigen Mischung aus Ton und Farbe, wodurch er nur einen Brennvorgang für seine Figuren brauche. Die positive Ausstrahlung seiner Figuren führe oft dazu, daß sie quasi zu Familienmitgliedern würden und Namen bekämen, gar als Ersatz für flügge gewordene Kinder dienten, erzählte er, berührt von der emotionalen Kraft seiner Figuren.

Hagel-, fußball- und frosterprobt seien seine Gartenobjekte, versicherte Helmut Brunn, der seit 23 Jahren in Iffezheim ausstellt. Wirklich frostsichere Figuren erhalte der Töpfer nur, wenn er beim Brennen bis an die Grenze, bis er nahe an den Schmelzpunkt gehe. Nur dann schlössen sich die Poren im Material, so daß das fertige Objekt nur minimal Wasser aufnehme. Ein paar Grad mehr und der Künstler habe Glas im Ofen, erläuterte Brunn, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hatte.

„Heidi mit ihren Geißen“, lachte Heidi Gritschneider, als sie ihre neuesten, von Nachbars „Rasenmähern“ inspirierten Werke vorstelle. Die Farben der im Raku-Brand-Kupfer-Matt enstandenen – auch nicht mehr leise meckernden – Ziegenböcke seien ein Lotteriespiel. Die im Brennofen auf 1 000 Grad erhitzen Böcke würden dann in hermetisch abgeschlossenes Sägemehl gebetet, das verglust und dabei den Sauerstoff verbrauche. Nach etwa 10 Minuten werde Luft zugeführt, die das Metall wieder oxidiere und für violette, grüne, türkise und orange Schattierungen sorge.

Frisch aus dem Ofen Eva Liebmanns kamen Wandvasen und Etageren, auf deren weißem Grund sich verspielt Blumen rankten oder Pünktchen zu Mustern formten.

„Schräge Vögel“, „Gehäkeltes Silber“, Goldschmiede, Seifensieder, Schneider, Hutmacher, Glaskünstler und viele weitere Kunsthandwerker komplettierten den Jubiläumsmarkt mit 80 Keramikkünstlern.

 

 

 
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