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28. Oktober 2006

 

 

Alfons fragt

 Um 18:00 stand die Veranstaltung wegen des starken Nachhalls in der Auktionshalle noch auf der Kippe. Der Großeinsatz der Mitarbeiter der Auktionsgesellschaft und der Gemeinde brachte schließlich 250 Zuhörer in den Genuß von Kultreporter Alfons. Ein großes TV-Publikum kennt die Video-Streifen des unbeholfen wirkenden Aushilfsreporters „Alfons“ aus „Verstehen Sie Spaß“ und dem donnerstäglichen Nachtprogramm des NDR3, die er auch in die BBAG-Auktionshalle nach Iffezheim mitgebracht hatte. Mit seinen subversiven Fragestellungen leuchtet er die dunklen Winkel der deutschen Volksseele aus. Als trotteliger, unbeholfen mit seinem Block und Puschelmikrofon hantierender Franzose bringt er die Menschen dazu das auszusprechen, was sie wirklich denken. Gedanken bei denen sich der Zuschauer zu weilen fragt, ob er lachen oder sich mit Grausen abwenden soll, wenn etwa eine ältere Dame behauptet, unter Adolf Hitler sei das Ansehen Deutschlands im Ausland besser gewesen oder ein Geistesverwandter die Demokratie als die schlechteste Staatsform gerne gegen eine „kleine Diktatur“ eintauschen möchte. Den Ruf der Deutschen ruinieren die Interviewten selbst, wenn sie Ordnung, Zucht und Gehorsam einfordern und die Reihenfolge beim Vergewaltigen weiblicher Kriegsgefangener nach Dienstgrad festlegen. Rührseliger wird's mit der kaffeklatschenden Oma Tiedtmaier auf dem niendorfer Tibarg, während das Amüsieren auf Kosten anderer in den sonst Ignoranz und Vorurteile entlarvenden Filmen eher als Ausrutscher zu werten ist. Einen besseren Spot als Alfons Lieblingsstück über den Irrsinn der Castor-Transporte hätte selbst die Anti-Atomkraftbewegung nicht drehen können.

Zu Hochform läuft Emmanuell Peterfalvi, so Alfons bürgerlicher Name, auf, wenn er live auf der Bühne sich in seinen kleinen Geschichten auf der Höhe der Zeit bewegt und mit dem ihm eigenen französischen Charme politisches Kabarett inszeniert. Die Beschreibung seines Schulweges durch Argenteuil von der Stelle an der die Tante ausgeraubt wurde bis zur Kreuzung, an der der Drogendealer steht, offenbart die Malaise des Pariser Banlieue mit ihrem Klima von Gewalt, Straßen- und Drogenkriminalität. Ein rechtsfreier Raum, in dem ihm seine Kumpels zur Feier seines 21. Geburtstages die gleiche Anzahl Autos in Brand gesetzt hatten.

Alfons traniger Blick bleibt auch an den Ecken und Kanten der großen Politik messerscharf hängen, wenn er den USA nach geltendem EU-Recht den Beitritt zur Gemeinschaft verwehrt, weil in den Staaten die Bildungsstandards zu niedrig seien und gefoltert und die Todesstrafe verhängt würde. Gammelfleisch präsentiert Peterfalvi als bayrische Spezialität, die gerne an weiß-blauen Wirtshaustischen und zu Papstbesuchen gereicht wird. Was den gelernten Ingenieur gleich zur Frage überleiten ließ, warum die Kardinäle trotz ihres bunten Kostümes mit Rock und Mützchen negativ gegen Schwule eingestellt seien. Wo doch die Eleganz und weibliche Intuition eines Guido Westerwelle in einer schwarz-gelben Koalition so gut mit Angela Merkel harmonisieren würde. Alfons räumte auch gleich mit dem in den Interviews geäußerten Vorurteilen auf, die Franzosen seien zu faul zum Arbeiten. Nein, nein, ein Franzose streike nur leidenschaftlich gerne und käme deswegen kaum zum arbeiten, während es die Deutschen höchstens mal zu einem Warnstreik brächten.

Alles in allem zwei erfreuliche und begeistert beklatschen Stunden, in denen Alfons in seiner Bühnenpräsenz nicht zum großen Schenkelklopfer ausholte, sondern subtil charmant seine Bömbchen legte und seinen demaskierenden Filmchen, die allzu oft aber folgerichtig mit dem Fazit der Befragten enden: „Keine Ahnung!“, in nichts nachstand.

 

 

 

 
Euer Kommentar an Matthias  

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